Der Mann, der Jim Knopf, Momo, und Co. erfand.

Michael Ende wurde 1929 in Garmisch-Partenkirchen als Sohn des bekannten surrealistischen Malers Edgar Ende und seiner Frau Luise geboren.


Michael Endes Eltern: Der surrealistische Kunstmaler Edgar Ende mit Luise Bartholomä-Ende
Michael Endes Eltern: Der surrealistische Kunstmaler Edgar Ende mit Luise Bartholomä-Ende

Die Jugend, umgeben von einer Welt der Künste.

Zwei Jahre nach seiner Geburt zog die Familie aus beruflichen Gründen nach München, wo Michael Ende den grössten Teil seiner Jugend verbringen sollte. Zunächst liessen sich die Endes in einem Aussenbezirk nieder, welcher von einem skurrilen Völkchen bewohnt war: Zirkusleute, Künstler, Aussenseiter und ganz viele Kinder. Mit vielen dieser Menschen schloss Michael Freundschaften, so bspw. mit "Fanti", einem etwas verrückten Maler und fantastischen Geschichtenerzähler. Oder mit den Clowns und Artisten einer bei Nachbarn überwinternden Zirkusfamilie, von denen er Zaubertricks und akrobatische Kunststücke lernte. Michael Ende nannte das Ganze später seinen Eintritt ins Märchenland. 

Nachdem die Familie nach Schwabing umgezogen war, wuchs er unter Malern, Bildhauern und Literaten auf. Nicht ungewöhnlich waren nächtliche Besuche von Freunden, die einfach einen kunstinteressierten Gesprächspartner suchten. Oft durfte Michael den nächtelangen Diskussionen selbst beiwohnen. Solche Erlebnisse prägten den Heranwachsenden und vermittelten ihm das Gefühl, Kunst und deren Erlebnis sei wichtiger als jede andere Realität. Von seinem Vater übertrug sich auch das Interesse an philosophischen und religiösen Fragen. So setzte er sich zeitlebens Er sich mit den Alchimisten, den indischen Mythen und der Anthroposophie auseinander, was zu der Zeit nicht einfach ist, weil bei den Nazis verpönt.

Von seinem Vater übertrug sich auch das Interesse an philosophischen und religiösen Fragen. Michael Ende setzte sich zeitlebens mit den Alchimisten, den indischen Mythen und der Anthroposophie auseinander, was zu der Zeit nicht einfach ist, weil bei den Nazis verpönt. Zu seinem Vater hat Michael Ende ein sehr enges Verhältnis. Die beiden werden sich in späteren Jahren viel über die Gemälde des Vaters und vor allem auch über dessen Weltsicht unterhalten. Esoterische oder religiöse Fragen werden immer wieder erörtert. Als der Sohn später Gedichte schreibt, nehmen Vater wie Mutter die literarischen Versuche ihres Sohnes sehr ernst.Edgar Ende liest sie öfter einmal voller Stolz Freunden vor. Michael Ende gehört zu den Schriftstellern, die schon früh von ihren Eltern "eine große Hilfe erfahren" haben.

Die Schule, ein langer grauer Gefängnisaufenthalt.

Ab 1956 wird die Beziehung zwischen Edgar und Michael Ende versöhnlicher. Nachdem Michael Ende fast sein ganzes Leben lang ein vertrauensvolles und sehr inniges Verhältnis zu seinem Vater gehabt hat, ist er ebenso wie dieser froh, dass sie sich einander endlich wieder annähern. Er glaubt, etwas wiedergutmachen zu müssen, und unterstützt und bestärkt den Vater in all seinen Unternehmungen.
Vater und Sohn verbringen viel Zeit miteinander und tauschen nächtelang ihre Gedanken über das Verbindende und Trennende von Literatur und Malerei aus. Sie greifen jeweils Themen des anderen auf und versuchen sie mit ihren Mitteln auszudrücken. So schreibt Michael Ende Gedichte, in denen er sich darum bemüht, Themen aus den väterlichen Zeichnungen oder Bildern in Worten zu musizieren. "Ich habe versucht, dasselbe in Worten zu übertragen, was er auf Bildern gemalt hat," erzählt er, wenn er von der Wechselwirkung der künstlerischen Arbeit zwischen ihm und seinem Vater befragt wird.

Michael Ende ging weder gerne zur Schule noch war er ein guter Schüler. Im Gegenteil, rückblickend bezeichnete er seine Schulzeit als eine einzige Katastrophe und verglich sie mit einem langen, grauen Gefängnisaufenthalt. Er verabscheute das öde, mechanische Lernen. Die Lehrer ihrerseits kritisierten, dass der Junge zuviel Phantasie hätte und in einer andern Welt lebte. 

Erst die letzten beiden Schuljahre an der Waldorf Schule in Stuttgart (Steiner-Schule) brachten eine gewisse Versöhnung. Dort beschäftigte er sich stark mit Kunst und Literatur.

Als Michael Ende 1946 nach Stuttgart in die Waldorf-Schule kommt, ist er eigentlich aus dem Schulalter längst herausgewachsen: Er lernt hier die expressionistische und dadaistische Dichtung kennen, an der er sich schult. Er liest Theodor Däubler, Ivan Goll, Elke Lasker-Schüler und Alfred Mombert, vor allem aber die Gedichte von Rainer Maria Rilke, Stefan George und Georg Trakl beschäftigen ihn sehr. Aus den ersten beiden Jahren nach dem Krieg, vor allem aus seiner Zeit in Stuttgart, stammen seine ersten Versuche als Schauspieler, die er gemeinsam mit Freunden im damaligen Amerika-Haus unternimmt. Unter anderem führt er Tschechows Einakter Der Bär, in dem er die Hauptrolle spielt, und Jean Cocteaus Orphée auf, das damit seine Deutschland-Premiere feiert. An einem dieser Abende lernt er auch den Maler Willi Baumeister kennen.

Dort machte er zwischen wechselnden Liebschaften und eigenen künstlerischen Versuchen auch das Abitur. Danach entschloss er sich, Künstler zu werden. Da ein Studium aus finanziellen Gründen ausgeschlossen war, entschied er sich für die praktische Laufbahn. Er bewarb sich an der berühmten Münchener Otto-Falckenberg-Schauspielschule und erhielt ein Stipendium. Seine Erfolge als Schauspieler waren ernüchternd, so dass er sich nur noch aufs Schreiben konzentrieren wollte.

Seit 1943 verfasst Michael Ende Gedichte und kleine Erzählungen. Sein Wunsch aber ist es, für das Theater zu schreiben. Da ein Universitäts-studium aus finanziellen Gründen ausgeschlossen ist, entscheidet er sich für die praktische Laufbahn. 1948 besteht er die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Otto Falckenberg der Münchner Kammerspiele. 

Michael Ende interessierte sich insbesondere für das Theater, für das er Texte und Stücke schreiben wollte. Da ein Studium aus finanziellen Gründen ausgeschlossen war, entschied er sich für die praktische Laufbahn. Er bewarb sich an der berühmten Münchener Otto-Falckenberg-Schauspielschule und erhielt ein Stipendium. Seine Erfolge als Schauspieler waren ernüchternd, so dass er sich nur noch aufs Schreiben konzentrieren wollte. 

Michael Endes Zeit als Schauspieler ist für den an der renommierten Schauspielschule der Münchner Kammerspiele Ausgebildeten eine herbe Ernüchterung. Während er zuvor an Diskussionen über Theaterfragen von höchstem Anspruch gewohnt ist, kommt er nun an ein Provinztheater: die Landesbühne Schleswig-Holstein, deren Truppe vor allem mit einem Bus unterwegs ist. 


Die Erlebnisse während des Krieges prägen Michael Endes Auffassung von der Wirklichkeit ganz entscheidend. Er ist von einer Art Defätismus (eine gewisse Schwarzseherei) ergriffen, rechnet immer mit dem Schlimmsten. Schwierigkeiten empfindet er als Normalität in einer untergehenden Welt, die für ihn die Wirklichkeit ist, und so überrascht es ihn eher, wenn Katastrophen nicht eintreten.

Ingeborg Hoffmann - die Frau, die sein Leben veränderte.

1952 lernte Michael Ende an einer Silvesterparty seine spätere Frau, Ingeborg Hoffmann, kennen. Sie war zu jener Zeit eine der gefragtesten, wegen ihrer direkten Ehrlichkeit aber auch zugleich gefürchtetsten Schauspielerinnen. Zwischen ihr und Michael Ende entwickelte sich eine sehr tiefe Beziehung, für die beide stets ihren grösstmöglichen Einsatz verlangten. Ingeborg Hoffmann unterstützte und förderte Michael Ende mit Leib und Seele. Sie las ihm seine Manuskripte Seite für Seite vor und diskutierte mit ihm stunden-, oft nächtelang. Dank ihrer Beziehungen konnte Michael Ende für verschiedene Münchner Kabaretts Texte schreiben. Auch verhalf sie ihm zu einem Job als Theaterkritiker beim Bayerischen Rundfunk.

An Brecht fast zerbrochen

Die Auseinandersetzung mit der Kunstauffassung Bertolt Brechts führt Michael Ende in einen Engpass und eine schöpferische Krise. , in dem es nicht mehr weitergeht.

Michael Ende hat sich ein Leben lang für alle phylosophischen Systeme interessiert, denen ein magisches Weltbild zugrunde liegt. 


Auf einer Italienreise traf Michael Ende auf die Cantastori, professionelle Märchenerzähler. Für ihn war klar, solche Geschichten musste man schreiben, Geschichten die den Menschen auch nach 100 Jahren immer wieder erzählt wurden. Als ihn dann ein früherer Schulkollege überzeugte, für ein Kinderbuch einen Text zu schreiben, begann er spontan mit einem ersten Satz: "Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hiess Lummerland". Er schrieb ohne Konzept einfach ins Blaue hinein. Manchmal führte er seine Figuren in solch haarsträubende Situationen, dass er Wochen für die Suche nach einem glaubwürdigen Ausweg benötigte. 

Auf einer Italienreise traf Michael Ende auf die Cantastori, professionelle Märchenerzähler. Für ihn war klar, solche Geschichten musste man schreiben, Geschichten die den Menschen auch nach 100 Jahren immer wieder erzählt wurden. Als ihn dann ein früherer Schulkollege überzeugte, für ein Kinderbuch einen Text zu schreiben, begann er spontan mit einem ersten Satz: "Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hiess Lummerland". Er schrieb ohne Konzept einfach ins Blaue hinein. Manchmal führte er seine Figuren in solch haarsträubende Situationen, dass er Wochen für die Suche nach einem glaubwürdigen Ausweg benötigte. 

Der Erfolg kam aus heiterem Himmel

Über ein Jahr lang wanderte sein fertiges Manuspkript erfolglos durch die Lektorate der deutschen Buchverlage, bis sich dann der kleine Stuttgarter Thienemann Verlag zur Veröffentlichung entschied. Der Verkauf lief anfänglich schlecht. Das änderte sich 1961 schlagartig, als eine Jury das Buch mit dem "Deutschen Jugendbuchpreis" auszeichnete. Von einem Tag auf den andern und kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin wurde Michael Ende berühmt. Er avancierte zum erfolgreichen Autor und veröffentlichte jetzt regelmässig.