Beschleunigte Welt

Der rästselhafte Moment, in dem sich unser ganzes Leben abspielt, jetzt. Weiter

Wie kann Entschleunigung funktionieren? Weiter

Führt die Tatsache, dass wir Geld in Zeit verrechnen, zur Beschleunigung? Weiter

Die beschleunigte Welt und mittendrin der Mensch. Beherrscht er die Technik, vielleicht. Beherrscht er die Zeit, sicher nicht! 

 

Urbanisierung als Megatrend. Laut einer UN Prognose leben in wenigen Jahrzehnten rund 70% der Menschen in Städten. Rolltreppen brauchen eine gewisse Intelligenz, wenn sie Menschenmassen effizient bewegen sollen, und Ingenieure, die in die Zukunft blicken können. Es gibt fast nicht schlimmeres für moderne Menschen, als zwangsentschleunigt zu werden.

 

10 Minuten vom Taxi bis zum Geld. Mehr ist nicht drin. Schnell kann es nur gehen, wenn Platz im Himmel ist. Doch der Platz wird immer knapper. Das seltsame beim Fliegen ist, das wir gar keine Raumwahrnehmung mehr haben. Wir nehmen nicht mehr die Eigenschaften des Raumes wahr. Forschungsflughafen Braunschweig. Erprobung von Technik für Fluglotsen. Ziel: Optimierung der Abläufe beim Abflug und am Boden. Dort gibt es noch viel Potential, die Abläufe zu beschleunigen. Bessere Planungssysteme. Wie lassen sich Flugzeuge gefahrlos noch enger nebeneinander fliegen. Beschleunigung ird immer mehr zum Selbstzweck und sei es, um die selbst gesteckten Wachstumsraten zu erfüllen.  nur die eigenen gesetzten Wachstumsziele zu erfüllen. Steigende Reisegeschwindigkeiten lassen unsere Welt schrumpfen. Durch die beschleunigten Transportmittel hat die Welt nur noch ein 60.tel ihrer ursprünglichen Grösse. Und immer noch gibt es Zeitsparpotential. Hartmut Rosa, Friedrich Schiller Universität Jena: "Die Möglichkeit, die Zeit beschleunigen zu können, gibt uns das Gefühl von Macht, Autonomie, von in der Lage zu sein, das Tempo und die Bewegung zu bestimmen, und die Richtung von Bewegung zu bestimmen, weil nämlich gerade Menschen in unserem Zeitalter, was wir Spätmoderne nennen können, nämlich das 21. Jarhhundert, häufig das Gefühl haben, dass sie nicht Herr sind über die hohen Veränderungsraten. Und was sich ganz stark ausbreitet ist das Gefühl einer richtungslosen Bewegung, was ich versuche als rasenden Stillstand zu bezeichnen, d.h. ganz hohe Veränderungsraten, ganz hohes Tempo, ohne dass es noch irgendeine Ziellinie gibt, einen Horizont, den man zu erreichen versucht." Nichts symbolisiert den rasenden Stillstand besser als der Stau, ein Phänomen des Alltags.  Weil alle zur gleichen Zeit in eine Richtung wollen, stehen wir still. Was tun, wie beschleunigen wir den drohenden Stillstand. Verkehrsplanung gegen Zwangsentschleunigung. Lebenszeit im Auto: 30 Monate, davon im Stau 5 Monate. Mobilität darf nicht zum Hauptzweck werden. Wir können ganz wenig aktiv sein und sind ganz viel unterwegs. Das aber macht keinen Sinn. Telematik. Der Weg ist beim Reisen nicht der Zweck, sondern der Zweck ist die Aktivität am Ende des Weges. Und die Zeit, die sie aufbringen müssen, um von A nach B zu kommen, d.h. zur nächsten Aktivität, das ist die Reisezeit. 

 

Gibt es noch die Oasen, wo man einmal nicht erreichbar ist? Die Beschleunigung der Welt ist ein sich selbst antreibender Prozess, sagt Harmut Rosa. Und damit verbunden ist eine stetig wachsende Angst. Die Befürchtung, dass man Zeit verliert, statt gewinnt. Es ist eine Folge von Erfahrung, dass nämlich durch diese ganzen Zeitspardinger, E-Mail, Handy, haben das Leben nicht entschleunigt, sogar beschleunigt. Die Zeit beginnt mit der Erfindung der Eisenbahn spürbar zu rasen. Heinrich Heine schreibt: "Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet und es bleibt nur noch Zeit." Auch vor der Industrie macht die Zeit keinen Halt. Mit der Einführung des Fliessbands verkürzt Henry Ford die Produktion eines Autos von 12 auf sagenhafte 2 Stunden; unter anderem dadurch, dass die Autos hauptsächlich in schwarz lackiert werden, diese Farbe trocknet am schnellsten. Zu einem immer stärker beschleunigten Lebensstil führen im 20. Jahrhundert bis dato ungeahnte Geschwindigkeitsrekorde. Heute geht es darum, wie wir alle noch mehr beschleunigt werden können. Es gibt fast nichts schlimmeres für moderne Menschen, als zwangsentschleunigt zu werden, d.h. stillgestellt zu werden. Gefühl, dass jemand anderer uns still stellt, uns in der Bewegung hemmt, und uns damit Zeit klaut. Der Wunsch, nicht Stillstehen wollen ist gross. Dieser Wunsch führt zu verschiedensten Verhaltensweisen (Drängeln, im Strom schwimmen, Es gibt Menschen, die die Eile in die Körperstruktur ein. Statt auf den Lift zu warten, eilen diese Menschen die Treppe hoch, weil sie dann mindestens autonom bleiben. Dann weiss ist wie lang es dauert und ich kann dazu beitragen, dass es schneller geht, bspw. durch Rennen. Auzugshersteller Kone: mit dem Handy kann man den Lift rufen, wenn man ein Gebäude betritt. Dies gibt einem beim Aufzug eine höhere Priorität. Man betritt das Gebäude, die Gebäudetechnik erkennt einem als VIP Nutzer und dann ruft es den Aufzug mit hoher Priorität.

 

Zeit ist Geld und Geld erkaufte Zeit. Beschleunigung in Zukunft ein Privileg für Auserwählte?

 

Ein zu rasanter Arbeitsstil hat seinen Preis.  Offline sein, das ertragen Menschen immer weniger. Im Gegenteil, die Zahl der Mobiltelefone wächst weiter. Überall verkürzen sie Wartezeiten. Scheinbar. Wenn man die Leute an einer Bushaltestelle beobachtet, dann ist praktisch auf sein Smartphone konzentriert und man hat das Gefühl, es fehle ein Körperteil, wenn dieses Ding nicht da ist. Es führt auch dazu, dass wir auf Bildschirme fixiert sind. Moderne Menschen leben fast ihre gesamte emotionale, kognitive Wahrnehmung am Bildschirm aus. Mehr Komfort ohne eine Einschränkung unseres Verhaltens, das ist die Prämisse der meisten technischen Entwicklungen. Die Kommunikation ist im Verlauf des letzten Jahrhunderts etwa 100 mal schneller geworden. Die Anwendung selbst, ist dem Forscher meist nicht so wichtig. Denn irgend eine Anwendung, die dann alle haben wollen, findet sich immer.  Die Mittel dazu liefert eine Industrie, die selber immer schneller produzieren muss. Ohne Computersteuerung ist das schon lange nicht mehr möglich. Nun soll eine neue Ära kommen, die intelligente Fabrik, in denen auch die Produkte intelligent werden. (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz). Detlev Zühlke. Produktlebensdauern werden mittlerweile weltweit immer kürzer. Kunden verlangen immer viel schneller nach neuen Dingen, also müssen Anlagen schneller umrüstbar sein und sie müssen auch schneller in den Betrieb gehen für ein neues Produkt. 

 

Kein Wachstum ohne Beschleunigung. Doch Beschleunigung ist ohne Wachstum nicht bezahlbar. Die Industrie steckt in einer Tempofalle. Man hat den Eindruck, dass wir uns exponentiell im Zeitverhalten bewegen, d.h. dass die Innovationsgeschwindigkeit nimmt überproportional zu. Es wird eine spannende Frage sein, wie sich das letztendlich weiterverhält. Aber noch ist das Ende der Beschleunigungskurve nicht erreicht. Maximale Beschleunigung durch minimale menschliche Beteiligung. Der Computer als einzige Instanz, die den Überblick hat (Amazon Lagersystem). Zukünftigen Produkten werden eigene Gedächtnisse eingepflanzt. 

 

Der grösste Zeitfresser, das ist eine schwere Frage. Man merkt dann wie kreativ und effektiv man ist, wenn man nicht zum Google Reflex greifft und jede Frage, die sich auftut, erst einmal googlet, sondern wenn man die Antworten selbst sucht. Internet ist ein grosser Zeitfresser.  Mittel und Wege, Zeit zu sparen führt oft dazu, sich ein immer grösseres Pensum aufzuladen. Dann wächst die Sehnsucht nach Kindheitstagen, einer Zeit, ohne zuwenig Zeit. Doch auch Kinder hetzen heute von Termin zu Termin, verplempern ihre Zeit mit Smartphones, 

 

ZDF 2012 

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1686958/Beschleunigte+Welt

Beschleunigte Welt
Kulturzeit extra: Zeitensprünge
Die Welt selbst scheint immer schneller zu werden. Im 20. Jahrhundert hat sich die Transportgeschwindigkeit um den Faktor 102, die Kommunikationsgeschwindigkeit um den Faktor 107 beschleunigt. Auch soziale Beziehungen, kulturelle Werte und Lebensstile sind einem immer schnelleren Wandel unterworfen. Zeitnot und Stress gehören zu den Grundfaktoren des Alltags und beherrschen unser Empfinden.
Die Zeit rast. Erdrückt sie uns? Oder drücken wir auf's Tempo? Die Zauberformel Fortschritt lässt - so scheint es - den unaufhaltsamen gleichförmigen Takt der Zeit schneller werden und gibt uns das Gefühl, dass wir es sind, die der Welt das Tempo diktieren. Die Welt dreht sich schneller. Tut sie das wirklich? Nein. Und dennoch erleben wir unsere Gesellschaft in einer Spirale der Beschleunigung. Nur kein Stillstand! In der Kathedrale der Zeit huldigen wir der Kraft des Fortschritts, und die heißt: Beschleunigung.
Nie ist Zeit
Noch nie hatten die Menschen so viel freie Zeit wie heute, und dennoch klagen sie über die Hetze und Stress. Nie ist Zeit. Haben die Uhren der Welt die Macht ergriffen? Wer schafft die Zeitmuster, in denen wir uns bewegen? Geschwindigkeit und Beschleunigung sind ökonomische Faktoren. Wer Zeit gewinnt, macht mehr Gewinn. Beschleunigte Produktion, beschleunigter Transport, Maschinen brechen Rekorde. Die Welt der Produktion und des Konsums lebt vom Tempo. Die Logik der Steigerung ist die Grundlage unseres Systems: Alles wird besser, effizienter, optimaler, schöner, billiger, wirksamer - und schneller.
Doch die Faszination der Beschleunigung ist zwiespältig, die Welt des Tempos voller Widersprüche. Beschleunigte Zeitmuster bringen Sinnloses und Wichtiges, Absurdes und Vernünftiges hervor. Wir genießen die Vorteile einer schnellen Welt und leiden unter der Hektik, die sie ausstrahlt. Die Zeit wird knapp. Wird sie das? Oder leben moderne Menschen in unterschiedlichen Zeiterfahrungen, die sie zur gleichen Zeit wahrnehmen? Die innere Uhr - die äußere Uhr - im Zwiespalt extremer Schwankungen?
Ohne Limit
Die beschleunigte Welt hat das soziale Leben verändert. Geschwindigkeit ist ein gesellschaftlicher Wert geworden. Wir arbeiten, reisen, essen schneller. Lieben wir schneller? Leben wir schneller? Oder kämpfen wir gegen die Uhr, weil dauernd wechselnde Zeitmuster irritieren, unseren Rhythmus verändern? Die digitale Zeitenwende hat der Beschleunigung neue Dimensionen eröffnet. Wie in einem Versuchslabor staunen wir über ungeahnte Geschwindigkeiten, die Einkehr halten in den Alltag. Kommunikation, Information - alles rast. Verflüchtigt sich unsere Wirklichkeit?
Beschleunigung kennt kein Limit, und Zeit kann immer noch genauer gemessen werden: Zehntel-Tausendstel-Millionstelsekunden - die Uhr wird zum Kontrollorgan einer Beschleunigungskultur. Wir rasen und rasen, die Zeit steht nie still.